
Ferienmodus
2. Woche: Elbradweg - Sächsische Schweiz - Cottbus - Berlin, 413 Kilometer, 2‘100 Höhenmeter, 4 Fahrtage
Wandern, die Metropole Berlin erkunden und ein bisschen Velofahren. So lässt sich die zweite Woche der Reise zusammenfassen.
Noch ein wunderbaren Nacht mit Regen packen wir am frühen Montagmorgen in einem Wäldchen unweit der Schwerindustrie von Litvínov, Tschechien, unsere Zelte zusammen. In einem primitiven Schopf finden wir kurz darauf Unterschlupf vor dem Regen und nach einer Stunde nehmen wir die ersten Kilometer bis zu einer Bäckerei unter die Räder.

Relativ ereignisarm gelangen wir noch Ústí nad Labem, einer auf den ersten Blick sehr hässlichen Industriestadt. Die zweite Hälfte der Tagesetappe führt uns der Elbe entlang, zurück nach Deutschland in den schönen Kurort Rath. Klitschnass vom Regen am Nachmittag sind wir froh, dass uns in der Unterkunft für die nächsten beiden Nächte eine heisse Dusche erwartet.

Wir sind Teil des Problems. Im bekannten Nationalpark Sächsische Schweiz wollen wir an unserem Pausentag eine Wanderung zur weltbekannten Bastei unternehmen. Diese Felsformationen mit Aussichtsplattform und Sicht auf das Elbtal zählen zu den landschaftlichen Highlights der Region. Dementsprechend werden sie von Touristen überrannt. Zeitweise haben wir das Gefühl, dass wir in einer überlaufenen Ladenpassage unterwegs sind. Es ist spannend, die Leute zu beobachten, die gefühlt alle die selben Fotos machen, gelangweilt in die Landschaft schauen und allgemein einen eher unzufriedenen Eindruck machen.

Trotz der vielen Menschen beim Hauptweg verbringen wir dank der Routenwahl einen schönen Tag in der eindrücklichen Region. Wegen Sturmschäden müssen wir einen langen Umweg gehen. Dafür werden wir in einer alten Mühle mit einem Radler belohnt. Anschliessend gelangen wir per Autostopp zurück in Richtung Rathen.
Ich rufe beim Restaurant an, in dem wir bereits gestern Znacht gegessen haben. Ob sie wohl noch einen Tisch haben, will ich vom Chef wissen. Der ruft zur Gattin „Ham wer noch nen Tisch für die drei Schweizer?“. Es wird dank der absurden Polizeimeldungen in der lokalen Zeitung ein sehr lustiger Abend.

Gut erholt geht es nach einem erneuten Besuch der Bastei, diesmal noch vor dem Frühstück und fast ohne andere Besucher, weiter. Nach einer schnellen Fahrt an wunderschönen Seen im ehemaligen Tagbaugebiet und weniger schönen Braunkohlekraftwerken vorbei, füllen wir bei der Station der örtlichen freiwilligen Feuerwehr unsere Flaschen auf und gehen in einem See baden. Just als wir wieder angezogen sind, kommen noch zwei Fischer (oder besser gesagt Biertrinker mit Angelruten) vorbei. Gutes Timing und wieder einmal eine spannende Begegnung mit zwei „Ossis“.

Es geht äusserst gastfreundlich weiter. Ein Velomech schenkt mir, weil er die geplante Tour so toll findet, ein Fahrradschloss. Nicht einmal etwas in die Kaffeekasse legen darf ich. Unglaublich.

Am Donnerstag rollen wir entlang der Spree, ihrer Seitenarme und Kanäle. Ein wahres Velo- und Outdoorparadies. In und um Spreewald überbordet der Tourismus dafür entsprechend. Unser Picknick machen wir lieber etwas ausserhalb an einem schönen Platz inklusive Zelttrocknungsmöglichkeit. Am Abend essen wir in einer Pizzeria, tauschen die leeren Pfandflaschen gegen volle und finden in einem Wald einen gemütlichen Zeltplatz.

Nach einer sehr ruhigen Zeltnacht erwachen wir rechtzeitig zum Sonnenaufgang, packen unsere Zelte zusammen und fahren los. Es ist eine entspannte Fahrt bis an die Stadtgrenze, anschliessend nimmt der Verkehr immer mehr zu, dank der guten Velowege ist das jedoch kein Problem. Das erste grosse Zwischenziel ist erreicht! In der Wohnung eines Verwandten können wir uns in Berlin für einige Tage erholen.

Die Pausentage vergehen wie im Flug:
- Wäsche waschen
- Einkaufen, kochen, die Wohnung geniessen
- Museumsbesuche (Fotografiska, Gropius Bau, Marina Abramović, Geschichtsbunker über die Geschichte des zweiten Weltkrieges und der Zeit danach)
- Kulinarische Entdeckungen (originaler Berliner Gemüsekebab, Sushi, kleine Eisdielen, Bäckereien und so weiter)
- Einige Stunden in Berliner Nachtleben

Impressionen DER letzten wochen vor dem start:






